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No-No-No-Notorious

Jon Stewarts Late Night Show Four Hour Special

...auch bekannt als Oscar-Verleihung.

Alle Jahre wieder macht man es sich mit Knabberzeug und Alkohol auf dem Sofa bequem und harrt der Dinge, die da kommen. Gehen wir doch bei der Zusammenfassung des Abends chronologisch vor:

Erster Eindruck: Hurra, ProSieben hat jegliche deutsche Kommentierbeteiligung abgeschafft. Weder Anke Engelke noch Susan Atwell noch Sven Gätjens waren zu sehen. Sehr positive Entwicklung. Mehr davon! Sprich: Die Radebergerwerbung könnt ihr auch gleich streichen.

Pre-Show am roten Teppich: Okay, die Interviewer von ABC waren nicht viel besser als die Leute von ProSieben. Applaus für die Trulla im weissen Kleid, die alle gutaussehenden männlichen Interviewpartner irgendwie unter fadenscheinigen Ausreden befummelt hat.

Apropos fadenscheinig - kommen wir zu den Kleidern. Relativ wenige Super-GAUs (Michelle Williams, wir haben Verständnis dafür, dass Sie zu uringelb gegriffen haben, wer ein noch nicht stubenreines Kleinkind zuhause hat, muss natürlich das Risiko von sichtbaren Flecken vermindern, aber dennoch: Dieser Robenschnitt musste ja nicht sein. Der Look "Kanarienvogel mit Vogelgrippe" mag zeitgemäss sein, Geschmackssicherheit kann man ihm aber nicht attestieren), aber auch nichts Spektakuläres. Schwarz und gold-beige schienen die Farben des Abends zu sein, wobei folgende Outfits hervorzuheben sind:

Felicity Huffmann musste mit ihrem Dekolleté wohl beweisen, dass sie entgegen ihrer Rolle in Transamerica offensichtlich eine echte Frau ist. Bloss ärgerlich, dass ihre Sekundärgenitalien darin aussahen wie leere Sunkist-Tüten, um Cora Hübsch zu zitieren.

Naomi Watts hat den Kampf mit ihren Gardinen allem Anschein nach gewonnen, aber es gab auf beiden Seiten schwere Verluste.

Keira Knightley, für so ein Kleid braucht man Rundungen am richtigen Ort. Nein, damit ist nicht die Stirn gemeint.

Sandra Bullock: Scheiss auf das Kleid, sie war mit Keanu Reeves da. Was trug sie schon wieder? Keine Ahnung mehr. Wer ist Sandra Bullock?

Weg vom roten Teppich, rein ins Theater. Erster Höhepunkt des Abends beim Interview mit Eric Bana, als ihn der Interviewer fragte, was er sich von dem Abend erhofft: "I hope for a lot of blood to be spilled tonight." Muahahah.

Die Vorstellung des diesjährigen Oscar-Hosts setzte dann den Ton für den Abend: Vergesst Feierlichkeit und Ernsthaftigkeit, die Academy Awards haben die Selbstverarschung entdeckt. Und natürlich auch prompt zelebriert. Siehe George Clooney, der seinen Oscar-Gewinn auf die gleiche Stufe wie seinen Titel als Sexiest Man Alive und seine Rolle als Batman setzte. Naja, der darf das.

Aber allgemein zeigten mir die Gewinner dieses Jahr zu viel professionelle Distanz. Wir wollen Tränen, gestotterte Dankesreden und Zusammenbrüche auf offener Bühne. Den einzigen Fast-Zusammenbruch lieferte Jennifer Garner mit ihrem eleganten Stolperer. "I do my own stunts." Sehr schick. Trotzdem: Wenn die einzigen Tränen des Abends von Felicity Huffman aufgrund der Anfeuerung ihrer Co-Verzweifelten Hausfrauen fliessen, ist das gelinde gesagt unbefriedigend. Desperate Oscarwatching, quasi.

Unbefriedigend ist auch die Tatsache, dass Brokeback Mountain nur einen 'wichtigen' Academy Award gekriegt hat. Immerhin für die beste Regie, wobei: Wer hätte die Geschichte von zwei Fishin' Buddies denn besser umsetzen können als Angli, eh pardon, Ang Lee? Eben. Der Oscar für Crash geht vermutlich auch in Ordnung, das kann ich mangels Sichtung nicht beurteilen.

Aber trotzdem: Liebe Academy, das nächste Mal bitte mehr Pathos. Mehr Glamour. Mehr Drama. Wenn ich schlechte Reden von unaufgeregten Leuten sehen will, kann ich auch die Live-Übertragung der Bundestagsdebatten begutachten, die stören wenigstens meinen Schlafrhythmus nicht. Jon Stewart dürft ihr gerne wieder engagieren, der war lustig. Aber untersagt dann bitte den Redenschwingern, dass sie versuchen, so lustig zu sein wie Jon Stewart. Klappt selten. Ausser vielleicht bei George Clooney. Der darf das.

Und richtet den Oscar-Nominierten dann bitte auch gleich aus, dass die Sache mit den Gadgets wie bei den Wallace&Gromit-Leuten mit ihren Fliegen und den Marsch der Pinguine-Leute mit ihren Pinguinen lustig war. Einmal. Sprich: Dieses Jahr. Anders gesagt: Wir wollen nächstes Jahr keine Gadgetinflation. Ausser bei George Clooney. Der kann gerne mit folgenden Gadgets antreten: Lendenschurz. Reicht dann auch gleich. Der darf das. Und der muss ja eh nächstes Jahr wieder antreten und den Preis für die beste Nebendarstellerin überreichen.

Hm, vielleicht sollte ich ins Schauspielfach wechseln. Muss ja nicht gleich eine Hauptrolle sein. Nebendarstellerin reicht für den Anfang vollkommen...
6.3.06 14:02


Sarah and Marc in tears

Liebe Sarah Connor,

Betroffen musste ich heute in der Onlineausgab der Zeitung mit den vier Buchstaben lesen, dass Sie gestern im Fernsehen einen Weinkrampf hatten, weil bei der Vorbereitung der Hochzeit "alles schief läuft". Das Hochzeitsschloss in Spanien ist überbucht, die Mutter nervt, die Freundin kann nicht Brautjungfer sein und Marcs Namen ist auf den Einladungen falsch geschrieben. Verständlich, dass da die obengenannte Zeitung schreibt: "Schöne Sarah, hast du dir zuviel zugemutet?"

Nun, liebe Sarah (ich darf doch Sarah sagen? Frau Connor klingt irgendwie so bilingual komisch, und Mrs. Tennis, äh, Terence, nein, Terenzi ist ja irgendwie noch nicht offiziell - oder doch?) - ich kenne Ihr Problem. Ich kann Sie vollends verstehen, denn auch ich bereite derzeit meine Hochzeit vor. Natürlich nicht so grossartig märchenhaft wie Sie, und leider auch ohne Wedding Planner, aber die Version 'klein aber fein' hat auch ihre Vorteile. Deswegen möchte ich Ihnen gerne einige Tipps auf den Weg geben:

1. Ich verstehe nicht, wie Ihnen das Ihr Wedding Planner nicht einbläuen konnte, aber die Grundregel bei jeglicher Hochzeitsplanung lautet: Location, Location, Location. Wenn man eine grosse Hochzeit feiern will, sollte man - so teilen es mir die einschlägigen Hochzeitszeitschriften mit - mindestens zehn Jahre bevor man seinen Bräutigam in Spe kennenlernt, den Ort für die Trauung aussuchen UND (das ist jetzt ganz wichtig, Sarah, bitte schreiben Sie mit) buchen. Eventuell sollten Sie die Location für Tylers Hochzeit jetzt schon festlegen.
Oder Sie machen es so wie wir und feiern im Bürgersaal einer kleinen Schwarzwälder Gemeinde. Der ist zwar nicht märchenhaft, befindet sich aber direkt über den Räumlichkeiten der örtlichen Feuerwehr. Das gibt einem doch gleich ein ganz besonderes Sicherheitsgefühl.

2. Eine weitere Regel, die Ihnen der Wedding Planner und offenbar auch Ihre Mutter vorenthalten haben (gut, bei der Mutter kann ich das verstehen, das wäre ja Selbstsabotage ihrerseits gewesen): Es ist Ihre Hochzeit, Sarah. Ihre und Marcs. Sie müssen sich da von gar niemandem reinreden lassen. Natürlich, fürs Organisatorische ist ein Wedding Planner wahnsinnig praktisch, er beschafft einem für viel Geld Informationen, die man gratis im Internet hätte kriegen können, er kommt mit unglaublich teuren, äh, kreativen Ideen an, damit man sich selber nichts ausdenken muss und er... ja, was tut er eigentlich noch? Im Zweifelsfall sorgt er dann für Stress, wenn die Brautmutter gerade nicht da ist. Doch, ein sehr nützliches Kerlchen.
Was nun das Einmischen der Mutter angeht: Die hat schon mal geheiratet. Und wenn sie jetzt ihre Hochzeit durch Sie nochmal miterleben will, liebe Sarah, dann dürfen Sie ihr ruhig ins Gesicht sagen, dass sie jetzt nicht an der Reihe ist. Natürlich, wenn man eine Hochzeit so ausrichtet, wie man es selber gerne hätte, stösst man einige Leute vor den Kopf. Aber wissen Sie, Sarah, ich sage mir: Wem die Südseebar in der Ecke vom Saal nicht passt, wer etwas gegen die Tischdeko auf der wir als Brautpaar im South Park-Look zu sehen sind hat und wer sich provoziert fühlt, wenn ich spätestens beim Karaoketeil des Abends meine Hochzeitsschuhe gegen meine Docs auswechsle, um mit meinen Brautjungfern 'Highway to Hell' zu singen - der kennt mich halt nicht wirklich und hat somit an meiner Hochzeit auch nichts zu suchen. Also, Sarah: IHRE UND MARCS PARTY. Der Rest der Leute sind schlimmstenfalls Statisten.

3. Ich weiss ja nicht, wie und wo Marcs Namen auf der Einladung falsch geschrieben wurde, aber liebe Sarah, auch da weiss ich Abhilfe: Wer so wie wir die Einladungen selbst verfasst, dem passieren keine Druckfehler. Und im Zweifelsfall gucken Sie sich einfach mal My Big Fat Greek Wedding an und seien Sie froh, dass man in Ihrem Fall auf der Einladung nicht aus 'Harriet' einen 'Harry' gemacht hat. Hochzeitsfilme sind übrigens sowieso ein guter Tipp, wenn man mal trauungsvorbereitungstechnisch etwas angespannt ist. Erstens kann man sich auf mögliche Super-GAUs vorbereiten, und zweitens erleichtert einen der Stossseufzer "Herr, ich danke dir, dass ich nicht bin wie diese da" doch ziemlich.

Achja, Sarah, ich weiss schon, was Sie jetzt denken: "Das hilft mir jetzt auch nicht weiter, die ganze Sache ist ja schon fast durch". Aber hey - geben Sie die Hoffnung nicht auf. Falls es mit Marc nicht klappt, können Sie ja vielleicht meine Tipps bei Ihrer nächsten Hochzeit anwenden. Die Jungs von Us5 stehen da dann als ehemals hochgejubelte Boybandmitglieder und somit mögliche Bräutigamskandidaten sicher zur Verfügung. Und die gute Nachricht: Drei von denen können sogar richtig gut Deutsch.

In diesem Sinne:Toi, toi, toi für den grossen Tag, Sarah - und bitte lächeln, denken Sie an die vielen Kameras...

From Natalie (with love)
2.8.05 16:37


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