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Völkerkunde

Irgendwann lernen es auch sie

In der Schweiz geht ein Kinobesuch ja so vonstatten, dass es so ungefähr in der Mitte des Films eine Pause gibt. Ich kenn das nicht anders und finde das praktisch, da man so aufs Klo kann, ohne etwas von der Geschichte zu verpassen, man kann sich noch ein Eis oder ein Getränk holen, und man kann allfällige Verständnisfragen zu dem was bisher geschah loswerden, ohne dass man den Rest des Publikums stört.

In Deutschland stösst diese Praxis, falls ich sie mal erwähne, auf wenig Verständnis. Das ruiniert doch die Geschichte, heisst es dann. Das widerspricht doch dem ganzen Konzept des Kinoerlebnisses, wird ausserdem moniert. Und überhaupt, so ein Banausenkram.

Werte Deutsche: Immerhin ist es bei uns die Norm, dass Filme in der Originalsprache mit Untertiteln gezeigt werden. Also werfe in Sachen Banausentum derjenige das erste Popcorn, der selber noch nie einen synchronisierten Film geguckt hat, ja?

Und ausserdem scheint man zumindest in Freiburg gemerkt zu haben, dass manche Filme halt einfach zu lang sind, als dass man sie ohne Unterbrechung geniessen kann. (Zumindest als Frau, die vor dem Film an der Theke einen 1-Liter-Getränkebecher gekauft hat.)

Wir waren gestern in "Shrek der Dritte" (synchronisierte Fassung, ja, natürlich!). Und kurz bevor bei uns der Film anfing, schallte ein lautes Dingdong durch das Foyer des Cinemaxx. Für mich ja kein unnatürlicher Klang, ich kenne das schliesslich aus der Schweiz, aber die anderen Kinobesucher guckten verwirrt. Zumindest solange, bis doch tatsächlich aus den Lautsprechern die Erklärung für dieses ungewöhnliche Geräusch kam: "Sehr geehrte Besucher von Kino 3, wir weisen Sie darauf hin, dass der Film "Fluch der Karibik 3" in wenigen Minuten weitergeht!"

Worauf alle erleichtert guckten. Ausser mir, denn nun war ich verblüfft. Ich kenne ja nur das Dingdong ohne weitere Erläuterung, in der Schweiz ist klar, was mit dem Geräusch gemeint ist, nämlich: Arsch auf Sessel parkieren, Licht geht gleich aus und Film geht weiter. Da labert keiner via Lautsprecher noch irgendwas von irgendwelchen Filmen.

Dann dämmerte es mir, dass ich mal wieder einem bilateralen Unterschied live und in Farbe begegnet war, und ich wandte mich - nun ebenfalls erleichtert - meinem Göttergatten zu und meinte:

"Ach so - Pause für Anfänger!"
27.6.07 22:47


Dringende Anfrage

Sehr geehrte Damen und Herren Einbürgerungsbehördenmitglieder,

Ich möchte bitte Deutsche werden. Ganz schnell. Am besten sofort. Aber ganz bestimmt und unbedingt vor dem 10. Mai 2007.

Ich bin vollständig assimiliert und unterstütze die DFB-Elf sogar in Spielen gegen die Schweizer Nationalmannschaft. Ich spreche quasi akzentfreies Deutsch, investiere sehr viel Geld in die deutsche Wirtschaft (vorwiegend in den Einzelhandel, ich hab die Quittungen vom Dienstag noch, ich kann das belegen) und erkläre mich hiermit bereit, für jeden der möglichen deutschen Eurovision Song Contest-Teilnehmer zu applaudieren, sei es Heinz Rudolf Kunze, Roger Cicero oder sogar Monrose.

Nein, wirklich. Die sind alle total super.

Zumindest im Vergleich mit dem angeblichen Schweizer Beitrag 2007:



Grosser Grundgütiger.

Wenn mich jemand sucht, ich liege leise weinend unter dem Sofa. Allfällige deutsche Pässe, meinetwegen auch gefälscht, bitte dort abgeben.
22.2.07 16:42


Blick dir deine Meinung

Eine der bekannten, aber von ihrer Zielgruppe immer wieder unterschätzten Methoden der Tabloidmagazine ist das System Meinungsmache. Die funktioniert so: Man pickt sich irgendein Thema aus, das derzeit eigentlich gar kein Thema ist, und schreibt so lange darüber, bis es schlussendlich durch schiere Präsenz im Medium auch ausserhalb der Zeitungsseiten diskutiert wird. Aktuelles Beispiel im Schweizer Blick:



Meine Theorie ist ja, dass es eine riesige Debatte um den Tendenzrassismus des Blick gäbe, wenn das "Deutsche" durch irgendeine andere Nationalität ersetzt würde. Aber mit den Leuten aus dem grossen Kanton kann man es ja machen - die sind uns ja sooo ähnlich, da ist es höchstens Nestbeschmutzung.

Naja. Was mich an dieser ganzen aus den Fingern gesaugten Pseudodebatte am meisten ankotzt?

Dass sie sogar bei mir funktioniert. Denn ich habe gerade darüber gebloggt.

(Und irgendwann schreibe ich dann auch mal was über die sogenannte Arroganz der Deutschen und den tatsächlich vorhandenen Minderwertigkeitskomplex der Schweizer, aber nicht jetzt. Jegliche weitere Eloquenz meinerseits verdient der Blick nicht.)
20.2.07 08:45


Die Schweiz hat's in sich

Mein Schwiegervater ist ja bekanntlich Spezialist für das Auffinden von seltsamen Sachen. Nun hat er mir ein Buch ausgeliehen, aus dem ich (nachdem ich das Ding bereits per Mail verschickt habe, das hier ist also quasi ein Crossmediablog, woohoo) ein paar Schmankerl präsentieren will.

Es heisst "Die Eidgenoszschaft ist unstreitig das oberste und am meisten erhöhete Land in ganz Europa". Dabei handelt es sich um einen Schinken von 1765, mir allerdings vorliegend in der 1972er Version des Benteli Verlags. Es geht in dem Werk darum, die verschiedenen Gegenden der Schweiz zu charakterisieren. Wir beginnen mit:

Aare: Der Strom stürzt sich von dem Ober-Aar-Gletscher durch einen grässlichen Fall hinter einem sehr hohen Felsen aus entsetzlichen Schründen hervor. Gehet man von dem Spittal bis dahin, ihrem Lauffe nach; so muss man sich an eisernen Haken, die zu diesem Ende in eine steile Fels-Wand fest gemacht sind, halten, um nicht in grässliche Schründe hinunter zu stürzen. Dieser förchterliche Weg dauert eine ganze Stunde lang durch eine grausenvolle Wildnis.

(Jaja, ds Bärner Oberland isch schön, aber auch grässlich, entsetzlich und förchterlich grausenvoll. Ich stelle mir das ja immer von so einer Ogi-Stimme vorgelesen vor.)

Emmental: Der Zustand der Einwohner des Emmenthals ist so glüklich, dass man nicht wenig Bauern zählt, deren Vermögen sich von 20 bis 60 000 Bärnerpfund erstrekt.

(Man sollte das vielleicht mal den SCL Tigers verraten, so von wegen Sponsorensuche.)

Entlebuch: Die Manns-Personen verdienen in Ansehung ihres wol gestalten Cörpers, Grösse und Stärke, vor den übrigen Berg-Einwohnern der Eidgenossschaft den Vorzug. Die Weibs-Personen haben keine grosse Leibes-Länge; sie sind kurz und untersezt; in der Feinheit der Bildung und Weisse der Haut übertreffen sie fast alles Land-Volk.

(Ich wusste es doch: Ich bin adoptiert und eigentlich eine Entlebucher Weibs-Person. Guäääh!)

Unterwalden: Die Einwohner dieses Cantons, so wol männlichen als weiblichen Geschlechts, sind ansehnlich, gross, stark und von dauerhafter Gesundheit. Eine Folge der unserer Natur so angemessenen Milch-Speisen!

(Wohnt nicht DJ Bobo in Nidwalden? Ist das hier die erste historisch belegte Emmi-Werbung?)

Zugersee: Der See ist an verschiedenen Arten überaus schmakhafter Fische gar reich. [...] Allein die Karpfen haben durch ihr Wühlen an den Ufern des Sees den nächst ligenden Örtern schon viel Gefahr und Schaden zugefügt.

(Böse Karpfen, wollt ihr wohl die Örter in Ruhe lassen!)

Appenzeller: Eine natürlich Einfalt, mit starker Vernunft und lebhaftem Wize gepaaret, Offenherzigkeit, auch Redlichkeit (wenigstens unter sich selbst) unterscheidet sie von anderen Eidgenossen. Geistreiche und witzige Einfälle sind das Eigenthum auch dessen, so den äusserlichen Anschein von Dummheit trägt.
Man trägt sich auch ausser dem Canton mit einer Menge witziger Geschichten von diesem Volk, welche alle ihm Hochachtung und Ehre erweken.
Der Character der Appenzeller ist in vielem original. Überhaupt ist das männliche Geschlecht ansehnlich, wohl gewachsen, stark. Ihr von Natur harter Boden legt ihnen strenge Arbeit auf; er schaft ihnen aber auch gesunde, starke Glieder. Der Appenzeller ist zu gar allem brauchbar.

(Zwei Worte: Hans-Rudolf Merz. Es isch nümm wie früecher, o nid im Appizäll.)

Sils: Zu Sils im Engadin ist eine Fabrik von Baumwollenen Schnupftüchern.

(Schön, dass wir darüber gesprochen haben.)

Thusis: Bey Thusis und in Avers sind die Schneelauen sehr fürchterlich; daher hängen daselbst die Gloken bloss ein paar Schuh hoch ob der Erde, damit ihr Schall sich nicht zuweit erstreke.

(Und der Probealarm heute Nachmittag wird da auch nur ganz ganz leise durchgeführt.)

Festung Munot: Ihre Erbauung fällt aber auch in solche Zeiten, da der Wiedertäufer- und Secten-Geist die Gemüther des Eidgenössischen Land-Volks öfters anfachte. Es war dazumal ein staatskluger Gedanken der Obrigkeit, die Untergebenen zu beschäftigen.

(Hm. Vielleicht sollte man im Emmental auch mal eine Festung bauen.)

Zürich (Kanton): Der Canton Zürich ist ein Inbegriff der ganzen Eidgenossschaft. Er enthält Berge, Thäler, flache Gegenden, Getreid-Land, Wein-Berge, Seen, Flüsse, süsse und mineralische Wasse; ja fast alles, wenn ich die Metalle ausnehme, was zu dem menschlichen Leben notwendig und kommlich ist.

(Da haben wir den historischen Beweis: Downtown Switzerland!)

Genf (Kanton): Ihr Moral-Character ist meistens eine Composition von den einander ziemlich entgegen gesezten Charactern der 3 Nationen die ihre Nachbarn sind.

(Anders gesagt: Alles Schweine. Aber weltoffen.)

Leukerbad: Es sind verschiedene Quellen, aus welchen das Bad-Wasser fliesset; sie sind so heiss, dass man Feder-Vieh darin ganz abbrühen, und Eyer gar machen kann.

(Wellness!)

Neuenburg (Kanton): Nur in einem Dorfe leben bisweilen 2 bis 300 Uhrenmacher. Sie sind im Stand, ganz Europa mit kunstreichen Sak- Stok- und Pendeluhren zu versorgen; ihre Arbeiten gehen durch alle Theile des Erdbodens.

(Ich will auch eine Stokuhr, die durch alle Theile des Erdbodens geht.)

Wallis: Die Thäler in dem Walliser-Lande sind bisweilen so schmal, dass die Berge überall zusammenstossen, und nur soviel Plaz übrig ist, als der Rhodan zum durchfliessen, und der enge Weg, um den Pass zu unterhalten, nöthig hat.

(Verkehrsinformation der Viasuisse: Stau im Wallis nach Bergzusammenstoss. Könnte bitte jemand den Pass unterhalten gehen, ihm ist langweilig.)


Und da sage noch jemand, in der Schweiz sei nichts los. Also bitte: Förchterliche Wildnis, örtergefährdende Karpfen, hühnerkochende Quellen und Frontalkollisionen der Berge. Die Schweiz wird als beschauliches Idyll offenbar total falsch vermarktet. Dabei könnte man doch gerade im Hinblick auf die EM 08 eine viel erfolgsversprechendere Werbestrategie anpeilen:

"Die Schweiz - wenn du Fussball nicht bedrohlich genug findest, probier mal unsere Natur aus."
7.2.07 13:16


Feiertag im Jammertal

Heute ist Tag der deutschen Einheit. Wenn ich es nicht wüsste, ich hätte es nur daran gemerkt, dass mein Mann zuhause am PC sitzt und nicht im Büro.

Man mag mir aufgrund dieses Blogeintrags gerne naiven Patriotismus unterstellen, aber es ist nunmal so: Nationalfeiertag ist für mich etwas anderes als dieses triste graue Alltagsbild, dass sich mir bietet, wenn ich aus dem Fenster schaue.

Nationalfeiertag, das sind Balkone mit Fähnchengirlanden oder Flaggen in den Blumenkisten, mit Lampions in allen Formen und Farben. Das sind Freudenfeuer auf der Dorfwiese, mit Ansprachen irgendwelcher rhetorisch unbedarfter Gemeinderäte. Gemeinsames Cervelat-Bräteln und Absingen der Nationalhymne, bei der man den Text von den aus dem Gemeindeinfoblatt von letzter Woche (denn immer eine Woche vor dem Nationalfeiertag wird der Text abgedruckt) ausgeschnittenen Zetteln abliest. Und Feuerwerk, ob es nun das eigene, selbstgekaufte, kleine ist, bei dem viel gekreischt und in Deckung gerannt wird, oder das grosse, das die Stadt ausrichtet und zu dem man sich mit der ganzen Nachbarschaft auf der Strasse zum kollektiven "Oooooh!", "Aaaah!" und "Uuuuh!" versammelt.

Nationalfeiertag, das ist unbeholfene Feierlichkeit. Das sind Urinstinkte der Zugehörigkeit, das ist Heimat im Sinne von Geborgenheit, nicht im Sinne von Abgrenzung. Das ist der Tag, an dem man auch als Schweizer mal ausgelassen sein darf. Aber nur, wenn man die Spuren seines kleinen Feuerwerks wieder ordentlich wegräumt.

Nationalfeiertag, das ist nicht gleichbedeutend mit stolz sein auf sein Land. Das ist dankbar sein dafür, dass man in einem Teil der Welt lebt, wo man relativ sicher ist, ein Dach über dem Kopf und mehr als genug zu Essen hat. Das hat eher mit Demut als mit Stolz zu tun.

Einen Tag pro Jahr sollte man ja vielleicht mal feiern, dass es einem im Vergleich zum grossen Rest der Erdbevölkerung verdammt gut geht.

Und ich spreche hier - natürlich - vom Schweizer Nationalfeiertag. Dabei wird folgendes gefeiert: In grauer Vorzeit irgendwann Anfang August haben sich drei Typen auf einem Berg getroffen, je drei Finger in die Luft geschwenkt, irgendetwas gebrabbelt, und schon gab es die Schweiz.

So ein Ereignis erscheint mir geradezu unwichtig im Vergleich dazu, dass vor 16 Jahren ein zerrissenes Land einen gemeinsamen Neuanfang wagte. Und wie gesagt: Es hat nichts mit Stolz auf sein Land zu tun. Ich bin lediglich der Meinung, dass man sich einmal pro Jahr daran erinnern sollte, was man alles hat. Und damit sind nicht die Deutschlandfähnchen am Auto gemeint.
3.10.06 13:01


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