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Natollies woechentliche Verbrechen auf Schallplatte:





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Zehn Tipps, wie man sich im Büro unbeliebt macht

1. Bereits Stunden vor dem Meeting einen der Stühle im Konferenzraum mit einem hingelegten Handtuch reservieren.

2. Eine Webcam hinter dem Schreibtisch des Chefs installieren, die den ganzen Tag auf den kahlen Fleck seinem Hinterkopf gerichtet ist.

3. Jedes blöde Onlinespiel mit voll aufgedrehtem Sound spielen und

4. Bei einem allfälligen Sieg mit über den Kopf gezogenem Shirt eine Ehrenrunde durchs Grossraumbüro drehen.

5. Grundsätzlich immer krümelige Kekse knabbern, die Fettflecken auf Papier hinterlassen. Vor allem wenn man sich über die Tastatur des Kollegen beugt.

6. Chips eignen sich dazu auch. Aber dann bitte die Variante Salt & Vinegar oder Sour Cream & Onion für das volle Geruchserlebnis.

7. Was im Kühlschrank steht, noch essbar aussieht und nicht beschriftet ist, gehört dir.

8. Was dir gehört, noch essbar aussieht und nicht im Kühlschrank, sondern in deiner Schreibtischschublade steht, kann auch da bleiben, wenn du für zwei Wochen in den Urlaub fährst. Vergiss nur nicht, die Schublade abzuschliessen und den Schlüssel mitzunehmen. Du willst ja nicht, dass dir wer was klaut.

9. Beim Verlassen des Fahrstuhls immer einen frischen Furz hinterlassen.

10. (Und der eigentliche Grund für diese doofe Liste) Die einzig wahren E-Mailbetreffs, egal worum es geht, sind heutzutage "Popnet" und "Kursrakete".
9.5.07 15:41


Ein paar offene Briefe an die Welt

Naja, okay, an Europa. Zumindest Teile davon. Ach was soll's, dann stimmt der Titel halt nicht.


Lieber DJ Bobo,

Wir wissen ja, dass deine gesanglichen, kompositorischen, lyrischen und generellen Fähigkeiten limitiert sind. Das nächste Mal versuchen wir es vielleicht mit weniger Text, mehr Trommeln und viel Geblöke? Für Bulgarien hat das funktioniert.

Heimlich halt trotz aller Schämerei für DJ Bobo im Allgemeinen und Vampires Are Alive im Speziellen auf eine Finalteilnahme gehofft habend:

Natollie


Liebe osteuropäische ESC-Teilnehmer,

Ich kann es ja nicht beweisen, aber ich vermute trotzdem, dass eure Texte auch nicht von viel sinnigeren Themen handeln als von lebenden Vampiren. Und musikalisch liegt ihr irgendwo zwischen Björk (Georgien), Bond (Weissrussland) und Bauchschmerzen (Bulgarien). Ich hab davon gehört, dass die russische Seele gerne leidet. Aber erstens dachte ich, dass die Solidarität des ehemaligen Ostblocks nicht mehr von Moskau aus diktiert wird, und zweitens muss man sich dann doch nicht SO SEHR selbst quälen, dass man den slovenischen Beitrag gut findet, oder etwa doch?

Operngekreische mit an die Hand getackerter Minitaschenlampe nicht gut findend:

Natollie


Liebe Bonaparti.lv,

Sechs Zylinder machen noch keinen Dagobert Duck. Sechs Tenöre machen noch keinen Pavarotti (naja, fast). Und die Sprache eines nicht mehr teilnehmenden Landes zu benutzen ist Schmu. Aber Schmu hilft offenbar - der Türkei auch, die waren ja mit ihrem Schmu-Tarkan ebenfalls erfolgreich. Merke: Schmalspurversionen von irgendwas an den ESC schicken ist eine gute Strategie. Ausser man schickt einen Westentaschen-Dracula.

Sich so gar nicht auf den Schmu-Ricky Martin aus Griechenland im Finale freuend:

Natollie


Liebe im Halbfinale rausgeflogene osteuropäische Teilnehmer,

Jaaa, das kotzt einen dann so richtig an, was? Die Schweiz, die Niederlande, Belgien, Island, Israel, Dänemark, Norwegen, Portugal, Malta, Österreich und Zypern können wenigstens mit einem beleidigten "Olle Ostblock-Mafia" jeglische Schuld von sich weisen, ob gerechtfertigt oder nicht. Und was ist eure Entschuldigung? Tjahaha!

Glücklich darüber, einen Grund zur Schadenfreude gefunden zu haben:

Natollie


Lieber Winnetou,

Früher als du noch Pierre Brice warst und nicht für Kroatien Duette mit einer Schmu-Shakira gesungen hast, fand ich dich viel toller.

Wieder ein Stück Kindheit beweinend:

Natollie


Liebe Teilnehmer aus Albanien und Montenegro,

Das konnte ja nicht gut gehen. Ihr hättet euch zusammentun sollen. Denn wenn der albanische Herr Ndotschi das montenegrinische Lied mit dem "Krotschi Buskotschi" gesungen hätte - das hätte viel besser geklungen. Und das Ganze dann zur Melodie von Heitschi Bumbeitschi. "Aber Krotschi Buskotschi Bum Bum..." Herrlich. Ein absoluter Gewinner.

Total kreative Ratschläge gebend:

Natollie


Liebes Schweizer Fernsehen,

Es dürfte mittlerweile klar sein: Mit eingekauften Osteuropäern sind wir am erfolgreichsten. Geht aber auch billiger. In der Musicstar-Datenbank finden sich sicher einige willige Leute "mit Migrationshintergrund", wie das hierzulande in Deutschland so schön heisst. Daraus setzen wir dann folgende Truppe zusammen:

- 1 stimmgewaltige Wuchtbrumme als Hintergrundsängerin, die man nur im Halbschatten sieht
- 4 Tänzer/Tänzerinnen, gerne leichtbekleidet (aber vielleicht nicht so leicht bekleidet wie die Teilnehmer aus Polen, das war ja mehr so Pimp my Eurovision in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes 'Pimp')
- 1 Schmu-Schleimerbub als Sänger oder wahlweise 1 Schmu-Diva (Look: Anna Netrebko meets Beyonce und geht mit Elli Erl einen Kaffee trinken)

Musikalisch setzen wir auf Christine Lauterburg revisited: Techno-Jodel. Mit einigen eingebauten Leidens-Breaks.
Und dann nennen wir das Ganze Chocolate Sumo oder so ähnlich. Oder wir schicken gleich wieder Vanilla Ninja.

Einen Platz in der Auswahljury fürs nächste Jahr fordernd:

Natollie


Liebe Leserschaft,

Aber vielleicht hat ja auch 20Minuten-Leser P.Ulmer recht, wenn er schreibt:

"Gut so!
Bobo hat GOTT gelästert und bekommt daher auch keinen Segen. Das gilt der herunter gekommenen Schweiz genauso. Lest mal die Bibel und besinnt euch! Sex, Drogen und Sünde wie Homosexualität und Party beherrschen das leben. Traurig. Klar, ich bin ein Bünzli, lebe noch Mittelalter etc."

So wird es sein. Der Beweis dafür ist sicherlich, dass weder der Transvestit aus Dänemark, der aus einer Aids-Schleife steigende Österreicher noch die Party-Polen weitergekommen sind. Alles Sünde, und Sünde hat beim ESC nichts zu suchen!!!
(P. Ulmer: Freuen Sie sich auf den ukrainischen Beitrag im Finale!)

Meine Fehler einsehend, Besserung gelobend und nie mehr ESC guckend:

Natollie
11.5.07 08:49


Alle ausser Ulle

Dieses Foto ist im Juli 2005 entstanden:



Wir sassen bei Riegel an der Strasse und warteten darauf, dass die Tour de France vorbeifährt. Tat sie auch irgendwann, erst kamen stundenlang Begleitwagen, dann irgendwann die Radfahrer, die allerdings nur minutenlang. Das war soweit ich mich erinnern kann auch das Jahr, in dem wir dann in Todtnau an der Strasse standen und auf die Deutschlandtour warteten. Die kam auch irgendwann vorbei.

Strassenrennen im Radsport sind ja live vor Ort nicht wirklich spektakulär. Die Tour de France im TV zu verfolgen ist da schon interessanter, aber zugegebenermassen auch nicht zwingend mein Ding. Früher, zu den Zeiten von Bernard Hinault und später Miguel Induráin war das noch anders. Damals kannte ich das D-Wort noch nicht und war beeindruckt von Dingen wie Induráins legendärer Lungenkapazität und seinem phänomenalen Ruhepuls. (Und Herrn Hinault fanden Mutti und ich irgendwie scharf.)

Wenn ein Radprofi heute etwas zu seinem Lungenvolumen und seinem Ruhepuls sagen will, ist der erste Gedanke doch sowieso: Ausrede. Und meistens hat man recht.

Ganz ehrlich, was da gerade in Sachen Team Telekom läuft, ist doch weder schockierend noch überraschend. Bloss unverständlich, zumindest für mich.

Denn hey, die Tour de France durchzustehen ist doch eine Wahnsinnsleistung per se - warum muss man sich da noch künstlich stärken?

Jaja, weil man sonst nicht gewinnt, weil alle anderen auch dopen.

Also, alle ausser Ulle.

Übrigens zeigt Das Erste derzeit "Höllentour" als Einstimmung auf die T-Mobile-Pressekonferenz um 11:15. Ich finde das irgendwie hochgradig ironisch, aber nicht ganz so ironisch wie diese Tatsache:

Von allen deutschen Radrennfahrern soll ausgerechnet Jan Ullrich körperlich so fit gewesen sein, dass er ohne Doping erfolgreich war?

Ja nee, is klar. Liegt bestimmt an Lungenkapazität und Ruhepuls.
24.5.07 10:57


Ein Monat mit Wumpeklumpe

Ich mache es kurz, bevor ich es lang mache:

Wir haben am Montag in der achten Schwangerschaftswoche unser Baby verloren.

Und jetzt die ausführliche Version für die, die es wissen wollen.

Es war der 27.4., und ich hatte bereits zwei Tage darauf gewartet, dass meine monatlichen weiblichen Beschwerden einsetzen würden. Da wir seit einer ganzen Weile nicht mehr verhüten, bestand eine gewisse Möglichkeit einer Schwangerschaft. Weil es aber bisher noch nicht "eingeschlagen hatte", wie man in der Schweiz umgangssprachlich zu sagen pflegt, hab ich den Schwangerschaftstest mehr aus Jux gemacht.

Um dann nach ein paar Minuten mantramässig die Worte "Ach du grüne Scheisse" zu wiederholen. Also, in einem sehr freudigen Grundton.

Zwei weitere schwach positive Tests später war sogar ich als ewige Zweiflerin überzeugt, dass dreimal schwach positiv einmal stark positiv ergibt, und los ging es mit der Vorfreude. Und dem "Ich darf ja nix mehr essen, was wirklich lecker ist"-Gejammer meinerseits. Erzählt haben wir es erst mal fast niemandem, weil wir erst abwarten wollten, wie sich das so entwickelt. Mit ein Grund dafür übrigens, dass ich in der letzten Zeit so wenig gebloggt habe, denn ich schreibe ja über das, was mich beschäftigt, aber diesmal musste ich den Mund halten, und wie schwer mir so etwas fällt, kann man sich sicherlich vorstellen. Also lieber gar nichts schreiben.

Am vorletzten Sonntag hatte ich dann eine erste schwere Blutung. Also ab in die Freiburger Frauenklinik, wo man aber nur festgestellt hat, dass alles in Ordnung ist und sich das Kind prächtig entwickelt. Das gleiche Ergebnis ergab auch die erste Untersuchung bei der Frauenärztin zwei Tage später.

Unser brav wachsendes Projekt hatte natürlich auch schon einen Namen: Wumpeklumpe (obwohl mein Mann auf der Schreibweise "Wumbeklumbe" bestehen würde, aber hey, mein Blog, meine Orthografie!). Klumpe, weil es ja noch ein kleines Klümpchen ohne wirklich erkennbar definierte Körperteile war, und Wumpe, weil mein Mann auf die Frage, ob er lieber einen Jungen oder ein Mädchen wollte, mit einem dezidierten: "Das isch mir wumpe!" geantwortet hatte.

Wir freuten uns auf Wumpeklumpe. Darauf, eine Familie zu werden. Ein neues Leben auf der Welt willkommen zu heissen und es in unsere Arme zu schliessen. Uns war auch klar, dass es eine Risikoschwangerschaft war (übergewichtige alte Frau und so), und dass wir damit rechnen mussten, dass etwas schiefgehen könnte. Genausowenig blauäugig standen wir der bevorstehenden Verantwortung gegenüber, ein Kind grosszuziehen. Wir wussten dass wir Fehler machen würden, dass wir auch erst lernen müssen, mit einem Kind umzugehen, dass es anstrengend werden würde und dass man manchmal daran verzweifelt.

Ich sage immer, dass es mein Ziel ist, dass meine Kinder noch mit mir sprechen, wenn sie 20 sind. Mehr erwarte ich vom Mutterdasein nicht.

Aber wir freuten uns. Und ja, es stimmt, man nimmt Kinder und Babies und Schwangere im Alltag viel deutlicher wahr, wenn man selber guter Hoffnung ist. Auch wenn ich immer rumgealbert habe, wenn sich irgendwo ein Kind unmöglich benahm, und zu meinem Mann sagte: "Na, freust du dich auch schon?"

Es war ein guter Monat mit Wumpeklumpe. Ich hatte zwischen durch Müdigkeitsanfälle, und ab und an war mir übel, aber das gehört dazu, und als Hausfrau konnte ich mir die Zeit nehmen, mich zu schonen, wenn ich das Bedürfnis hatte. Viele viele Schläfchen. Und ein erhöhter Cola Light Koffeinfrei-Verbrauch, da bei mir Cola gegen Übelkeit wirkt und ich ja kein Koffein mehr zu mir nehmen durfte.

Aber es war eine schöne Zeit. Wir freuten uns auf Wumpeklumpe.

Diesen Sonntag hatte ich wieder eine starke Blutung, und gegen Abend kamen leichte, ziehende Schmerzen dazu. Nachts um drei wachte ich auf, weil die Schmerzen so stark waren. Also ab in die Frauenklinik, wo der Arzt meinte, er könne keine eindeutigen Herztöne erkennen, und ich solle am Dienstag gleich zur Frauenärztin, oder sofort wieder in die Klinik kommen, falls die Blutungen und die Schmerzen stärker würden.

Am Morgen wurden die Blutungen und die Schmerzen stärker. Um acht waren wir wieder in der Klinik.

Kurz vor elf hatte dann eine Ärztin Zeit für uns. Und sprach beim Ultraschall das aus, was ich schon wusste und nicht hören wollte.

"Ich sehe leider keine Herzaktion, Frau Springhart."

Für uns gab es nun die Möglichkeit, zu warten bis das Kind auf natürlichem Weg meinen Körper verlassen würde, oder die Gebärmutter ausschaben zu lassen.

Ich kann verstehen, dass es Paare oder Mütter gibt, die sich langsam von ihrem Kind verabschieden wollen und es nicht durch einen Eingriff aus ihrem Leben reissen lassen wollen. Aber ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass in mir drin etwas Totes war. Ein toter Wumpeklumpe. Der, wenn es nach mir gegangen wäre, eine Anna Lena oder eine Marie geworden wäre, wenn es ein Mädchen geworden wäre, und der, wäre er ein Junge gewesen, noch keinen Namen gehabt hätte.

Geworden wäre, gehabt hätte. Wurde aber nicht, hat nicht.

Ist nicht mehr.

Ich wurde für die Ausschabung stationär aufgenommen, und so extensiv und detailiert über die Gefahren des Eingriffs ("Falls wir abrutschen, perforieren wir die Gebärmutter und landen im Darm") und der Narkose (sind eigentlich alle Anästhesisten von Natur aus etwas einschläfernd?) informiert, dass die Angst vor der OP zwischenzeitlich die Trauer über den Verlust in den Hintergrund schob. Das mag egoistisch klingen, aber es war eine Tatsache: Dem Baby konnte nichts mehr passieren. Mir schon.

Wir mussten schliesslich bis abends um sechs waren, bis der Eingriff stattfinden konnte. Zwischenzeitlich gab man mir ein Zäpfchen, das den Muttermund öffnen sollte, und ich durfte danach nicht mehr normal aufs Klo, sondern musste den fahrbaren Klostuhl benutzen, der in mein Zimmer gerollt wurde. Worauf meine Verdauung natürlich beschloss, so aktiv zu werden, dass die Krankenschwester irgendwann "zur Sicherheit" gleich zwei Bettpfannen aufs Mal vorbei brachte.

Ich hatte starke Schmerzen im Unterleib, aber ich wollte keine Schmerzmittel. Einerseits, weil ich mir in meiner Ärzteparanoia dachte, dass das sicher irgendwie zu Komplikationen bei der OP führen würde, und andererseits... ich wollte meinen Unterleib spüren, solange da noch etwas drin war. Auch wenn es mittlerweile "etwas" und nicht mehr "jemand" war.

Mein armer Ehemann wich die ganze Zeit nicht von meiner Seite, obwohl er genau wie ich seit Sonntagabend nichts mehr gegessen hatte und nur auf mein lautstarkes Drängen hin irgendwann nachmittags endlich ein Glas Wasser trank. Meine letzten Worte an ihn, bevor ich in den Aufzug Richtung Chirurgie geschoben wurde, waren "Ich liebe dich!" und "Iss was!" Zu meinen ersten Worten, nachdem ich wieder aufgewacht war, gehörte der Satz: "Hast du was gegessen?"

Hatte er. Und er wich auch nach der OP nicht von meiner Seite, bis die andere Patientin auf der Wachstation schlafen wollte. Ich hätte eigentlich noch in der Nacht zurück in mein Zimmer gebracht werden sollen, da aber auf der Station so viel los war, geschah das erst am frühen Morgen.

Am Dienstag früh durfte ich mich dann auch anziehen und aufstehen, und kurz nach eins wurde ich entlassen. Nicht ohne vorher noch das Mittagessen gekostet zu haben, was mich mal wieder in der Ansicht bestärkte, dass Leute, die sich über das Essen in Flugzeugen beschweren, noch nie das Essen in Krankenhäusern gekostet haben.

Und seit gestern Mittag bin ich wieder zuhause, zurück im normalen Alltag, wie er vorher war. Vorher im Sinne von "vor dem 27.4.".

Etwas fehlt. Jemand fehlt. Und es tut weh, psychisch mehr als physisch. Ab und zu spüre ich meinen Unterleib noch ein wenig, aber die körperlichen Schmerzen sind minim. Und dass ich das Gefühl habe, dass da ein Loch in meinem Bauch ist, das ist ganz klar psychosomatisch.

Wir hatten einen Monat mit Wumpeklumpe. Es war ein schöner Monat. Aber ab und zu hält eine Schwangerschaft halt nicht. Das war nicht unser Fehler, wir haben unser Möglichstes getan. Es gibt keine Schuldigen und keine Schuldzuweisungen, und ich werde mir keine Vorwürfe machen. Es sollte halt nicht sein. Wir werden uns davon erholen, langsam und behutsam und vor allem gemeinsam.

Es ist mir wichtig, dass wir unsere Trauer zulassen, aber nicht darin versinken. Was passiert ist, ist etwas Natürliches. Wir werden damit leben lernen. Es ist auch beängstigend, wie schnell das Leben weitergeht, nicht nur die Welt um uns herum dreht sich munter weiter, auch wir fügen uns fast nahtlos wieder in unseren Alltag ein. Fast.

Wir verdrängen nicht, aber wir leben weiter. Und wenn die Erinnerung daran hochkommt, was da gerade passiert ist, dann kommt sie halt hoch. Dann kommen meinetwegen auch die Tränen. Das ist okay. Ich werde mir auch nicht irgendwann vornehmen: "So, ab jetzt ist das Kapitel abgeschlossen, jetzt wird nicht mehr geheult", denn so funktioniert das nun mal nicht.

Mit am wichtigsten ist jetzt für mich, dass mein Mann es sich erlaubt, auch zu trauern. Er ist der Schweigsame von uns beiden, er ist nicht jemand, der seine Gefühle so offen zur Schau stellt wie ich (ich bin bekanntlich emotional gesehen eine der grösseren Rampensäue dieser Welt, und er qualifiziert sich da nicht mal als Ersatzferkel), und ich erwarte nicht von ihm, dass er auf die gleiche Art trauert wie ich. Aber ich will, dass er versteht (und nicht nur er, ich will dass das alle verstehen), dass ich vielleicht körperlich mehr durchgemacht habe als er, aber dass das psychische Leid für beide gleich gross ist. Für ihn war der Montag schlimmer als für mich, ich war ja weggetreten, er hingegen musste nicht nur damit klarkommen, dass sein Kind tot ist, sondern er musste auch noch warten und hoffen, dass seine Frau wieder einigermassen wiederhergestellt aus dem OP-Saal kommt. Der Mann ist in Bezug auf eine Schwangerschaft immer der passive Mitstreiter, aber das heisst nicht, dass er gefühlsmässig weniger involviert ist. Im Gegenteil. Da geschieht so viel nicht Nachvollziehbares mit seiner Frau, das sorgt vermutlich für mehr Emotionen und Verwirrung, als wir Frauen uns das vorstellen können.

Mein Mann war schon immer und ganz besonders während des letzten Monats und der letzten paar Tage mein Fels in der Brandung. Ich hoffe, dass ich für ihn wenigstens ein Kieselstein in einer Pfütze bin, auch wenn ich weiss, dass ich ihm nie die starke Schulter sein kann, die er für mich ist. Sorry wegen der komischen Metaphern.

Ich liebe ihn, er liebt mich, wir werden das gemeinsam durchstehen. Und Wumpeklumpe haben wir auch geliebt. Schade, dass er oder sie nicht bei uns bleiben durfte.

Wir vermissen dich, Kleines. Hoffentlich geht es dir gut, da wo du jetzt bist. Wir werden dich auch nicht vergessen. Auch nicht, falls du mal ein Brüderchen oder Schwesterchen kriegen solltest, das es bis in diese Welt schafft. Aber, und das verstehst du hoffentlich, wir werden über dich hinwegkommen. Wir müssen.

Ich bin zuversichtlich, dass das klappt. Und wenn wir uns zwischendurch auch mit doofen Witzen über diese Zeit hinweg retten. Jeder Mensch hat seine Methode, mit seinem Schicksal klarzukommen, und keiner hat das Recht, den anderen deswegen zu verurteilen. Deswegen sei es mir vergönnt, dass ich mich jetzt halt über Kleinigkeiten freue wie die Tatsache, dass ich jetzt wieder Kaffee trinken und Salami essen darf, oder dass wir jetzt vielleicht doch noch irgend ein Open Air Festival besuchen diesen Sommer - man reagiert halt so, wie man reagiert. Und auch wenn ich mir in meiner Rolle als Mutter vielleicht Selbstvorwürfe machen und mich verzweifelt fragen sollte, was ich falsch gemacht habe - ich sehe mich dazu nicht verpflichtet.

Fehlgeburten passieren. Dass sowas uns passiert ist, trifft uns hart, und es ist tragisch, aber nur weil ein Leben frühzeitig aufgehört hat, heisst das nicht dass unsere Leben nicht weitergehen.

Wir machen nur kurz Pause. Und machen dann in unserem eigenen Tempo weiter.
30.5.07 10:09





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