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Sissifiziert

"Was für eine Frau hat der Himmel mir geschenkt!" sagt der Kaiser von Österreich kurz vor dem Ende des dritten Sissi-Films. Ha, und was für einen Mann hat der Himmel dann erst MIR geschenkt. Der Mann verschenkt nämlich auch Sachen, nicht nur der Himmel, und ebendrum bin ich seit Weihnachten stolze Besitzerin der Sissi DVD-Box Royal Edition in rot und Pseudosamt und total schick.

In der Altjahreswoche konnte mein Mann folglich ziemlich ungestört sein Strategie-PC-Spiel zocken, da ich vorm Fernseher klebte.

Ich muss zugeben, liebe Herren der Schöpfung: Ich weiss auch nicht genau, was die Faszination der Sissi-Filme ist und warum wir Frauen diese Werke so innig lieben. Wir wissen ja auch, dass es sich dabei historisch gesehen um Kaiserschmarrn handelt und ästethisch gesehen um Kitsch. Aber ich habe da eine Theorie, warum zumindest ICH diese Geschichte so wahnsinnig toll finde.

Ich steh auf Aschenputtelstories und ich steh auf Frauen, die sich ihren Platz in der Welt erobern. Und für mich zeichnen die Sissi-Filme eben gerade die Geschichte eines jungen Mädchens, das zur starken Frau wird und sich dabei von niemandem verbiegen lässt. Aschenputtel hört damit auf, dass das arme Mädchen den tollen Prinzen heiratet. Sissi auch - aber nur der erste Teil. Im zweiten und dritten Teil sehen wir, dass eben auch bei Familie Kaiser das Ehe- und Familienleben nicht immer perfekt läuft, dass man in einer Beziehung oftmals den gleichen Problemen wiederholt begegnet und dass man an diesen Problemen arbeiten und einander entgegenkommen muss. Damit meine ich jetzt nicht das bildliche Entgegenkommen, wie es in den Filmen mehrfach dargestellt wird und bei dem die Entzweiung mit einem erlösenden 'Sissi!' - 'Franzl!' endet. Das Ehepaar hat seine Hochs und Tiefs und oftmals kommt der Alltag oder die Familie in die Quere, das kann ich absolut nachvollziehen, auch wenn bei uns jeweils nicht gerade ein Krieg mit Russland droht und meine Schwiegermutter im Gegensatz zu Sophie (uaaah, bitte wie gruselig ist die!) die tollste Schwiegermutter der Welt ist (mein Schwiegervater zeigt ab und zu ganz leichte Ansätze von Ähnlichkeit mit dem Kaiservater, aber das ist auch nur auf das selektive Gehör bezogen). Ich mag das Kaiserpaar, weil sie so menschlich sind und weil sie trotz allem wissen, dass sie alles zusammen durchstehen können, wenn sie nur zueinander halten. Da können Nene und Graf Andrassy lange verliebt gucken, die Sissi und der Franzl bleiben zamm'! Hach ja.

Apropos hach ja: Die Filme bieten ja so viele unvergessliche Momente und Zitate. Von "Na bravo!" über "Evviva la mamma!" bis hin zu "Wenn du einmal im Leben Kummer und Sorgen hast, dann geh' mit offenen Augen durch den Wald. In jedem Baum, jedem Strauch, jeder Blume und jedem Tier wird dir die Allmacht Gottes zu Bewußtsein kommen und Trost und Kraft geben." Die geneigte Leserschaft darf jetzt ruhig zugeben, dass beim Lesen dieser Worte die dazugehörigen Bilder im Kopf entstanden sind. Wir sind doch alle ein bisschen Sissi und Naivität, Kitsch, Idealisierung und Simplifizierung manchmal einfach von einer zwingenden Notwendigkeit. Das Bewusstsein, dass die Realität ganz anders aussah, bleibt ja. Es wird halt nur für die Dauer der Filme in die Abstellkammer des Hinterkopfs geschickt. Ich kann daran nichts Schlimmes finden.

Und irgendwann schaffe ich es auch noch, meine Sissi Tours-Geschäftsidee umzusetzen. Dann reise ich mit einem Bus voller Frauen an die Schauplätze der Filme und wir ergötzen uns an unserer eigenen Bescheuertheit, wenn wir für den Zitherkurs den Bergwald bei Bad Ischl hochkraxeln, uns bei Gödöllö von als Fahrende verkleideten Laiendarstellerinnen mit Wasser beschütten lassen und schliesslich als Krönung des Ganzen in Venedig über den roten Teppich am Markusplatz schreiten. Natürlich in historischen Kostümen. Man wird doch wohl noch träumen dürfen - und gebt es ruhig zu, Mädels, ihr wärt gerne mit von der Partie...
3.1.06 16:59


Fastenopfer

Ich weiss, den guten Vorsatz mit dem Abnehmen fassen jährlich Abermillionen zum ersten Januar. Bei mir ist das aber mehr so ein guter Fortsatz, denn ich habe letztes Jahr mit Hilfe von (schleichwerbung on) Weight Watchers (schleichwerbung off) schon einige Kilos verloren. Einige davon habe ich in der Adventszeit wieder draufgepackt, unter fröhlicher Mithilfe der Voradventszeit und der Silvesterzeit. Damit ich wieder ins (schleichwerbung on) Weight Watchers (schleichwerbung off) Programm reinfinde, faste ich seit Montag und noch bis und mit Freitag.

Mein Angetrauter wollte erst mitmachen, hat allerdings heute früh aufgegeben. Nein, das ist KEIN triumphierendes Grinsen auf meinem Gesicht, während ich das schreibe. Das ist ein liebendes Lächeln. Ausserdem muss er arbeiten, während ich nur zuhause rumsitzen muss. Das Fasten war für ihn also ungleich schlimmer. (Hab ich schon erwähnt, dass ich 2003 auch schon mal gefastet habe, während ich gearbeitet habe? Nein? Ist auch nicht so wichtig. Wirklich nicht.) Insofern habe ich vollstes Verständnis. Okay, vielleicht ein ganz kleines triumphierendes Grinsen. Aber ein liebevolles. Echt jetzt.

Komischerweise habe ich diesmal viel weniger Hunger als bei meiner ersten Fastenwoche. Mag daran liegen, dass ich meinem etwas empfindlichen Magen diesmal kein Glauber-, Bitter- oder sonstiges Abführsalz zugemutet habe und ihn statt dessen mit Sauerkrautsaft und Leinsamen leere. Oh, ich weiss, Sauerkrautsaft klingt eklig. Wenn man aber die Augen zumacht und die Nase zuhält und das Zeug auf Ex stürzt, ist es einfach so, als ob man gerade rohes Sauerkraut gegessen hätte. Haben wir als Kinder immer gemacht, ist also nicht ungewohnt. Man darf nur beim Trinken nicht daran denken, dass man gerade Sauerkrautsaft zu sich nimmt, denn Schlucken und 'Puuuhäärrrr' machen geht nicht gleichzeitig. Zu den Leinsamen sage ich nichts. Ausser dass 'Puuuhäärrr' da für eine leicht gesprenkelte Küche sorgt. Und dass ich damit keine angenehmen Kindheitserinnerungen verbinde.

Das Hungerproblem hält sich also derzeit in Grenzen. Schlimmer ist für mich als - die geneigte Leserschaft gestattet mir hier einen Helvetismus - 'Gfröörli', dass sich meine sonst schon kalten Extremitäten der Temperatur von Tiefkühlpizza nähern. Mmmh... Tiefkühlpizza. Okay, die psychischen Gelüste sind schlimmer als der physische Hunger, aber dazu gleich mehr. Mittlerweile friere ich dermassen, dass ich den einen Teil der Wohnung mittels Extremheizing in eine finnische Sauna umgewandelt habe. Der Weihnachtsstern im Wohnzimmer dankt es mir mit vorwurfsvollem Blätterfallenlassen, aber Weihnachten ist ja eh vorbei. Um wirklich einigermassen warm zu werden, hilft mir nur ein heisses Bad. Täglich. Ja, ich weiss, damit übertreffe ich den jährlichen Wasserverbrauch eines afrikanischen Kleinstaates, und kombiniert mit dem Heizen und dem Gas, das fürs Wasserwärmen benötigt wird, auch noch gleich den Energieverbrauch. Aber ich bin nunmal eine dieser Schlampen, denen im Fall von Frieren die eigene Körpertemperatur leider Gottes wichtiger ist als afrikanische Kleinstaaten. Dafür sinniere ich dann in der Badewanne darüber, ob es in Afrika überhaupt Kleinstaaten gibt oder ob da alle Länder riesig sind. Die Psyche will eben auch beschäftigt werden.

Denn mangels anderweitigen Themen, womit wir bei obenstehendem 'gleich mehr' wären, beschäftigt sich mein Seelenleben während einer Fastenkur mit Essen. Dabei fällt mir auf, wie erschreckend oft ich aus Gewohnheit esse, ohne es als richtige Mahlzeit wahrzunehmen. So nach dem Motto 'Hey, ich könnte ja jetzt was essen', dem gleich ein 'Ach nee, ich ess ja im Moment nix' folgt. Wenn ich also etwas beim Fasten gelernt habe, dann ist es die Erkenntnis, dass ich im wahrsten Sinne des Wortes bewusster essen sollte. Und vielleicht kann mir ja auch jemand die Frage nach den afrikanischen Kleinstaaten beantworten, dann hab ich diese Woche sogar zwei Dinge gelernt.
11.1.06 16:09


Dem Frisör ist nichts zu schwör

Ich war heute mal wieder beim Friseur. Nein, ich bin nicht der Typ, der Frisurenbilder sammelt und dann mit einer genauen Vorstellung von Form und Farbe der zukünftigen Haarpracht in den Salon stöckelt. Bei mir läuft das mehr nach dem Motto "Buaaargh, ich kann meine Haare nicht mehr sehen" - der Gedanke kommt total plötzlich aus dem Hinterhalt - , und auf gedacht folgt dann auch prompt getan.

Und dann kommt gefrustet.

Das Problem ist einerseits meine Unfähigkeit zur Kommunikation mit der Dame (ich kann mich nicht erinnern, dass mir schon mal ein Herr die Haare geschnitten hat). Das fängt schon damit an, dass ich mich zu allen Schandtaten bereit hinsetze und mich jederzeit von allen verrückten Ideen der Friseurin überzeugen lassen würde. Ein pinkfarbener Irokese? Ein lackschwarzer Bob? Platinblonde Engelslöckchen? Klar, machen Sie nur, wächst ja nach!

Was dann grundsätzlich in meinem gemurmelten "Ja, nicht zu viel von der Länge weg, okay, Stufen nachschneiden, mhm, das Rot nicht zu knallig"-Einverständnis endet. Offenbar denkt man sich im Salon, dass ich zu alt für Experimente bin und meine Frisur für die Ewigkeit bereits gefunden habe.

(Exkurs Nummer 1: Ist meiner geneigten Leserschaft eigentlich schon mal aufgefallen, dass die Leute irgendwann in ihrer modischen Entwicklung stehenbleiben und sich für einen Look entscheiden, der vermutlich der Ära entspricht, in der sie am glücklichsten bzw. in der sie jung waren? Entweder das, oder sie greifen in die Abteilung 'Zeitlose Schlichtheit', was ja auch nicht das Wahre sein kann. Ich rede mir ja gerne ein, dass ich noch mit 85 Docs und türkisen Nagellack tragen werde, aber ich fürchte, dass ich mich im Laufe der Jahre doch zum wandelnden Mahnmal des Kleidungsstils Anno 1993/94 entwickeln werde. Nee, da war ich nicht am glücklichsten. Da war ich bloss dünn genug für aktuelle Mode...)

Nun gut, da sitze ich also im Frisierstuhl und lasse mir meine Standardfrisur schneiden. Es folgt das Kommunikationsdesaster Teil 2: Ich kann nicht mit Friseurinnen reden. Ich versuche es. Ich scheitere. Ich gebe mir ehrlich die allerallergrösste Mühe, ich setze ein ermunterndes Lächeln auf und suche fieberhaft nach möglichen Gesprächsthemen, aber nichts hilft. Die Haarkünstlerinnen nehmen bei meinem Anblick vermutlich an, dass ich konzentriert nachdenke und dabei nicht gestört werden will. Dabei überlege ich doch nur, wie das Wetter draussen eigentlich heute ist, und ob man zur jahreszeitlichen Wolkenlage irgendetwas bemerken könnte, das eventuell zu einem einigermassen unterhaltsamen Gespräch werden könnte. Kurz: Wenn dann endlich die Frage 'Wollen Sie vielleicht etwas lesen?' gestellt wird, sind beide Beteiligten über mein wie aus der Pistole geschossenes 'JA!' sehr erfreut.

(Exkurs Nummer 2: Natürlich, die Kopfmassage, die Pflegeprodukte, das Gefühl von frisch geschnittenem Haar, das sind alles tolle Aspekte eines Salonbesuches. Aber mal ehrlich: Nichts ist ergötzender als die Tatsache, dass man ohne schlechtes Gewissen, ohne dafür zu bezahlen und in aller Öffentlichkeit grauenhaft peinliche Klatschhefte lesen kann. Ich weiss seit heute endlich, wie Prinz Alberts unehelicher Sohn aussieht. Hurra!)

Da oben stand irgendwo ein 'einerseits', oder? Also kommen wir jetzt zum andererseits. Das andererseits ist, wie die geneigte Leserschaft sich vielleicht schon denken kann, die Frisur an sich, die sich auf meinem Kopf befindet. Die sieht abgesehen von der Farbgebung mittlerweile seit sicher über einem Jahr irgendwie immer gleich aus. Man nennt die Frisur seit ca. 1996 gerne mal den 'Rachel', weil Jennifer Aniston den Look damals in der Serie Friends populär gemacht hat. Ich weiss noch, wie ich damals gleich nachdem die Ausstrahlung der Sendung in Australien angefangen hatte zum Friseur gegangen bin und gesagt habe, ich hätte gerne so eine Frisur wie Jennifer Aniston. Worauf die Friseurin fragte:" Who's Jennifer Anderson?"

Friseure sollten ihre eigenen Klatschhefte besser lesen.

Naja, irgendwann als dann alle den Look mal gehabt hatten und keiner ihn mehr wollte, kam eine Friseuse auf die Idee, mir die Haare so zu schneiden. Und seitdem heisst es immer nur "Ja, nicht zu viel von der Länge weg, okay, Stufen nachschneiden, mhm, das Rot nicht zu knallig." Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich mag die Frisur ja. Ich weiss, dass sie mir steht. Aber GAH! Vielleicht hätte ich gerne mal einen 'Ashlee', einen 'Domino' oder gar einen 'GI Jane', und nicht immer nur 'Rachel', 'Rachel', 'Rachel'. Irgendwann wird Jennifer Aniston nur noch als 'Hm, wie hiess sie noch gleich, die Ex von Pitt - Anderson?' bekannt sein, und trotzdem werden die Friseurinnen der Welt von Rachelgelüsten befallen, wenn sie mich sehen. Aber okay, es könnte schlimmer sein. Es könnte ein 'Bill von Tokio Hotel' sein...

(Exkurs Nummer 3: Warum genau wollen Mädchen im Teenageralter eigentlich den gleichen Look wie ihr Idol? Ich bin damals auch mit Lederarmbändchen wie Morten Harket rumgelaufen. Aber hallo, Mädels, machen wir uns nichts vor: Stars SIND selbstverliebt. Aber SO selbstverliebt dann doch nicht...)
17.1.06 17:51


Deutschland-ABC

Ich wohne ja seit April 2005 in Deutschland und habe das Land bereits vorher durch ständige Besuche kennengelernt. Dabei sind mir einige Besonderheiten an meiner neuen Heimat aufgefallen, welche ich festhalten wollte. Hier nun meine Beobachtungen in alphabetischer Reihenfolge - Deutschland aus der Sicht einer Schweizerin...

A wie Aldi: Legendärer Billigsupermarkt, es gibt rechtsdrehende und linksdrehende. Der Unterschied ist allerdings bloss, dass man am gleichen Ramsch in entgegengesetzter Richtung vorbeiläuft. Oftmals sind Aldi-Produkte übrigens Markenartikel in billiger Verpackung. Da bei mir aber das Auge nun mal mitkauft, geh ich lieber in Supermärkte, wo die Waren nicht so arrangiert sind, als wären sie mal eben vom Lastwagen gefallen.

B wie Beckenbauer, Franz: Kaiser, der vom deutschen Volk ungefähr so verehrt wird wie Franzl von Sissi. Kann nichts falsch machen. Hat für Deutschland die WM und später die WM nach Deutschland geholt. Könnte den Starnberger See zu Fuss überqueren, wenn er wollte. Ganz bestimmt.

C wie Campino: Frontmann der Toten Hosen, Deutschlands Antwort auf Bono, zumindest was die Medienpräsenz und Diskussionseinmischungsfreudigkeit angeht. Mit dem öffentlichen sozialen Engagement hapert es im internationalen Vergleich noch ein bisschen, die Betroffenheitssongtexte geben aber zu Hoffnung Anlass.

D wie Du bist Deutschland: Kampagne zur Wiederaufwertung des deutschen Selbstbewusstseins. Krankt an drei grundlegenden Problemen: 1. Der Slogan wurde damals auch von den Nazis eingesetzt, 2. Man mag sich nicht zwingend von jemandem, der vermutlich so 82 Millionen HAT sagen lassen, dass man 82 Millionen IST und 3. Die Hintergrundmusik des TV-Spots stammt aus dem Film "Forrest Gump", und ob der die richtige Identifikationsfigur ist, sei dahingestellt. Lauf, Deutschland, lauf!

E wie Elton: Angeblich lustiger Sidekick von Stefan Raab. Repräsentiert die dunkle Seite des deutschen Humors, welche nach dem Motto "Schadenfreude ist die beste Freude, aber nur wenn nicht ich geschädigt werde" und der Maxime "Die Gürtellinie befindet sich am grossen Zeh" agiert.

F wie Fool’s Garden: Ja, die mit dem Song mit dem kaputten Glas und dem Zitronenbaum. Ja, das sind Deutsche. Nein, die hatten sonst keinen anderen Hit. Feiern aber grosse Erfolge im Osten, legendäre Konzerte fanden z.B. in Vilnius, Moskau und Kaliningrad statt. Und übrigens: Bei "Lemon Tree" machen sie auf der Bühne immer ein Glas kaputt.

G wie Germany Twelve Points: Wird man aus der Schweiz nie nie nie hören. Tut uns leid, da sind wir so. Und so lange Deutschland Acts wie Corinna May, Stefan Raab oder Gracia ins Eurovisions-Rennen schickt, wird das auch so bleiben. (Okay, die Schweizer Acts waren zugegebenermassen auch nicht besser. Aber im binationalen "Komische Frauen singen von David Brandes produzierte Lieder"-Wettstreit hatte die Schweiz eindeutig die Nase vorn. Nänänä.)

H wie Heidi Klum: Deutscher Exportschlager Nummer Eins im Gutaussehende-Frauen-Bereich. Immer fröhlich, immer lächelnd, immer irgendwie ihrem Namen Heidi entsprechend. Inspiriert die Bild-Zeitung zu Kosenamen wie "Klum-Kugel" für den Heidibabybauch und "Klümchen" für das Heidibaby. Kurz: Immer das Vorzeigefräuleinwunder und demzufolge immer auch leicht brechreizerzeugend. Da hat ja Claudia Schiffer mehr Persönlichkeit.

I wie ICE: Schneller deutscher Zug. Leider auch oft unpünktlicher Zug, weswegen man bei Bahnreisen durch Deutschland immer mindestens 20 Minuten zum Umsteigen einplanen sollte. Grundsätzlich gilt: Wenn man Geld für eine Platzreservierung im ICE ausgegeben hat, ist der Zug leer, wenn man riskiert, keinen fixen Sitzplatz zu haben, ist der Zug überfüllt. Es existieren übrigens Gerüchte, dass es demnächst einen eigenen Studiengang zum Verstehen des deutschen Bahnticketsystems geben soll.

J wie Jürgens, Udo: Der ist in Wirklichkeit Österreicher und lebt in der Schweiz, also denkbar ungeeignet für dieses ABC. Nehmen wir also lieber Jürgen Klinsmann. Der ist derzeit laut dem Bahn-Magazin "mobil" noch Mann des Jahres. Das kann sich aber schon in ein paar Monaten rapide ändern, und dann sind alle froh, wenn er statt brav hierzubleiben, wie es sich für den Coach der deutschen Nationalelf gehört, wieder in die USA zurückfliegt. Siehe auch N wie Nationalmannschaft.

K wie Kanzlerin. In der Version "Bundeskanzlerin" Wort des Jahres 2005. Gleich vor "Wir sind Papst", was ja eigentlich kein Wort ist. Auch in der Liste zu finden: Gammelfleisch. Nein, bei dem Wort geht es weder um den Papst noch um die Kanzlerin, auch wenn böse Zungen da vielleicht gleich bildliche Assoziationen haben. Mit Gammelfleisch sind Schlachtprodukte gemeint, die noch in der Zeit vor der Euroeinführung ihr Leben lassen und seitdem in Kühlhäusern auf ihre Weiterverarbeitung warten mussten. Igitt bäh halt. Und nein, auch die letzte Phrase bezieht sich weder auf Frau Merkel noch auf Benedikt XVI. Okay, vielleicht ein bisschen…

L wie Lautstärke: In Deutschland gibt es keine Lautstärkenbegrenzung an Konzerten. Es werden auch nicht wie in der Schweiz Ohrstöpsel kostenlos ausgehändigt oder Flyer mit dem Slogan "Tinnitus on Tour" verteilt. Da setzt man hierzulande auf Eigenverantwortung. Was für mich zur Folge hat, dass ich gerne weit hinten stehe, wenn ich mir mal eine musikalische Livedarbietung zu Gemüte führe. Die Akkustik ist ja eh oft auf dem Klo am besten.

M wie Merkel: Siehe auch: K wie Kanzlerin. Erste Frau in diesem Amt. Manche finden sie deswegen toll, andere sind der Meinung, dass eigentlich nicht nach Geschlecht, sondern nach Kompetenz gewählt werden sollte. Hat im Laufe ihrer Karriere eine erstaunliche optische Wandlung durchgemacht und jetzt haben sie fast alle lieb. Was auch einiges über das Politikverständnis der Deutschen aussagt.

N wie Nationalmannschaft: Im Fussball-WM-Jahr 2006 natürlich DAS Thema. Wer steht im Tor, im Tor, im Tor, und wer dahinter? Ist Kahn der Titan oder wird Lehmann zum Buhmann? Ist Ballack auf Zack, müssen wir vor Huth auf der Hut sein, oder wird der gar nicht mitgenommen? Eines ist auf jeden Fall klar: Falls die Deutschen allerdings tatsächlich den Titel holen sollten, sind hier ausnahmslos alle Eingeborenen a) Weltmeister und b) Das Wunder von Berlin.

O wie Otto Rehagel: Der Trainer von dem mittlerweile wieder keiner mehr spricht. Der Mann, der die Griechen zum Fussballeuropameister machte und sie danach direkt ins WM-Aus führte. 2004 war er noch Rehakles und alle hier waren auch ein bisschen Europameister, weil Otto ja ein Deutscher ist. Heute sieht man ihn lieber wieder als "griechischen Nationaltrainer".

P wie Papst: Sind hier seit April 2005 alle. Dass viele in diesem Papstvolk nicht die Meinung des Papstes in Rom teilen, was die Weltanschauung angeht, tut nichts zur Sache. Hauptsache "wir sind wieder wer". Und wenn es nur Papst ist. Papa Ratzi sei Dank.

Q wie Quarktorte. Ist in Deutschland Käsekuchen. Quark ohne Torte heisst aber trotzdem Quark, und eine Torte heisst auch Torte. Nein, ich weiss auch nicht warum. Und lasst uns lieber gar nicht über "Schmand" reden.

R wie Raser: Nicht nur die Lautstärke an Konzerten ist grenzenlos, auch die Geschwindigkeit, mit der man sich auf Autobahnen fortbewegen darf, ist in Deutschland oftmals nicht strikte beschränkt. Eine Tatsache, die von Schweizern gerne ausgenutzt wird, um mal zu testen, was ihr Auto eigentlich kann. Problematisch wird es dann, wenn das Auto bei hoher Geschwindigkeit mehr kann als der Fahrer. (Die Deutschen rasen übrigens nur, wenn ihre Mütter berufstätig waren, sagen meine Schwiegergrosseltern, und die müssen es ja wissen)

S wie SB. Es gibt sehr viele SB-Dinge in Deutschland. SB-Tankstellen, SB-Banken, SB-Solarien und so weiter. Nein, SB ist kein multinationaler Grosskonzern, der in vielen Branchen tätig ist. SB heisst Selbstbedienung. Und ich gebe zu, bei mir fiel der Groschen, bzw. der Cent erst nach einigen Wochen.

T wie Tanken: Machen Deutsche gerne im Ausland, weil die Benzinpreise im Inland so hoch sind. Ich hege immer noch die leise Hoffnung, dass mich mein Mann nicht nur geheiratet hat, damit er bei Verwandtenbesuchen in der Schweiz regelmässig zu billigem Treibstoff kommt.

U wie Urlaub, Farin: Wenn wir schon Campino erwähnen, darf der Mann mit den 52 Zähnen nicht fehlen. Sänger und Teilzeitfrontmann der Die Ärzte, Teilzeit deswegen, weil die Band ja sooo demokratisch ist und der Drummer Bela B auch oft und der Bassist Rod ab und zu was sagen bzw. singen dürfen. Farin Urlaub ist weniger medienfreundlich gesinnt als sein Gegenstück Campino, was daran liegen dürfte, dass er keinen Fernseher besitzt und die Bravo mal behauptet hat, dass er Fans verprügelt. Heisst eigentlich anders, reist aber gerne, deswegen heisst er so. Leidende Eltern, deren Kindern wegen Herrn Urlaub plötzlich total punkig geworden sind, seien damit getröstet, dass die Blagen dann wenigstens getreu ihrem Vorbild weder trinken noch rauchen werden.

V wie Verkehrsteilnehmer: Wer auf dem Drahtesel sitzt, hat immer Recht. Wer sich dieses Gesetz verinnerlicht, kommt als Fussgänger einigermassen unbeschadet durchs Leben. Ansonsten sei auf die ersten Zeilen des Tocotronic-Liedes "Freiburg" verwiesen, welches die hiesige Verkehrs- und meine Gemütslage bezüglich dieses Themas sehr gut illustriert.

W wie Wurst: Des Deutschen liebste Fleischform neben dem Schnitzel, welches übrigens hierzulande mindestens den Durchmesser eines Fussballs haben muss, um als echtes Schnitzel zu gelten. Würste gibt es in tausenden von Variationen, von der Curry- bis zur Weisswurst. Letztere kann ich nicht beurteilen, erstere ist lecker, man sollte sich allerdings vom Begriff "Curry" nicht irreführen lassen: Es handelt sich eigentlich bei einer Currywurst um ein in Rädchen geschnippeltes Wienerähnliches Wursterzeugnis, das in einer scharfen Ketchupsauce mit etwas Billigcurrygemisch schwimmt. Fast Food ist eben international zwar schmackhaft, aber doch irgendwie eklig.

X wie Xtina Aguilera, XBox, Xylophon u.ä.: Kennt man hier auch. SO unterschiedlich sind die Schweiz und Deutschland dann doch nicht. Der Teufel steckt wie so oft auch hier im Detail. Ein Beispiel gefällig? In Deutschland wird "Serie" so ausgesprochen: SErié. In der Schweiz sagt man Seriii mit Betonung auf dem iii. Ich bin mittlerweile soweit assimiliert, dass ich die deutsche Aussprache sogar im Schweizerdeutschen benutze. Achja, und Peperoni heissen nun mal Peperoni und nicht Paprika, liebe deutsche Mitbürger. Grrr.

Y wie YPS: Deutsche Kult-Kinderzeitschrift. Die mit dem karierten Känguruhtier, Ossi und Wessi, äh sorry Yinni und Yan und natürlich dem Gimmick, das theoretisch ganz toll war und praktisch selten funktionierte. Legendär war der Eier-Baum. Yps erschien ab letztem August wieder, es entzieht sich aber meiner Kenntnis, ob der Relaunch erfolgreich war. Immerhin kann man die Urzeitkrebse mittlerweile auch bei coolen Internet-Händlern bestellen, und dort heissen sie erst noch Triops.

Z wie Zone: Alter Begriff für den östlichen Teil Deutschlands, das Gebiet das früher einen anderen Namen trug und ein anderer Staat war. Mittlerweile haben sich offiziell alle Deutschen lieb, und man sagt nicht mehr Ossis, sondern Leute aus den neuen Bundesländern. Das Ganze funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie der Röstigraben: Eigentlich wird mit Vergnügen gestänkert und gejammert, aber wehe ein Aussenstehender äussert sich dementsprechend. Der ist schliesslich nicht Deutschland, Papst, Kanzlerin, Weltmeister...
23.1.06 15:14


Schweiz-ABC

Auf keinfachen Wunsch, aber im Namen der Gerechtigkeit: Das Gleiche wie vorher, nur umgekehrt. Die Schweiz für Deutsche halt.

A wie Autokennzeichen: In der Schweiz gehört das Autokennzeichen zum Fahrer, nicht zum Fahrzeug. Wer ein neues Auto kauft, behält trotzdem sein Kennzeichen. Da ist nix mit "Neues Auto - neues Schild". Wir sind schliesslich ordentlich.

B wie Bern: Hauptstadt (NICHT Zürich, okay?!) der Schweiz. Und übrigens auch schönste Stadt. Diese Wertung hat nichts damit zu tun, dass ich selber aus Bern komme, das ist total objektiv so, schliesslich ist die Altstadt Unesco-Weltkulturerbe. Der Berner Dialekt ist übrigens auch die schönste Form des Schweizerdeutschen. Und den dunklen Tierquälerfleck namens Bärengraben verschweigen wir jetzt mal.

C wie CH: Schon wieder Autos. Also, der Aufkleber da hinten am Fahrzeug bedeutet nicht "Chuchichästli" oder "Chasch scho überhole, aber hie isch glich nume hunderzwänzg". CH ist die Abkürzung für Confoederatio Helvetica. Und das wiederum heisst Schweizerische Eidgenossenschaft. Nein, nicht EidgenossInnen. Wir sind schliesslich ein einig Volk von Brüdern. Siehe auch R wie Rütlischwur.

D wie Demokratie: Oh, und wie. Aber sowas von. Demokratischer geht es nicht. Wenn nicht mindestens dreimal pro Jahr zur Urne gerufen wird, war es ein schlechtes Jahr. Wir Schweizer wählen ja nicht nur, wir stimmen ab. Dabei gibt es Abstimmungen zu Volksinitiativen, fakultativen Referenden, obligatorischen Referenden, Gegenvorschlägen... Letztes Jahr wurde zum Beispiel an drei Abstimmungsdaten über die Bilateralen Abkommen mit der EU zum Thema Schengen und Dublin, die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare, die Ausdehnung des Freizügigkeitsabkommens auf die neuen EG-Mitgliedstaaten, die Änderung des Bundesgesetzes über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel und die Volksinitiative für Lebensmittel aus gentechnikfreier Landwirtschaft abgestimmt. Und das waren nur die nationalen Vorlagen. Und übrigens verhältnismässig wenige. Es gab auch schon Abstimmungssonntage mit 9 Vorlagen. Jaja, und ihr Deutschen dachtet, eine vorgezogene Bundestagswahl wäre kompliziert.

E wie Erfindungen: Viele davon, von denen man es nicht gedacht hätte, kommen aus der Schweiz. Das WWW zum Beispiel wurde im CERN bei Genf entwickelt. Die ersten Gregorianischen Choräle entstanden im Kloster St. Gallen. Das erste Hotel Europas ist das "Drei Könige" in Basel. Auch der erste Kaiserschnitt wurde in der Schweiz durchgeführt, und die Idee der Briefmarke stammt ebenfalls aus der Schweiz. So viel Erfindungsgeist beweisen die Schweizer, und was bleibt bei den Deutschen als Schweizer Erfindung hängen? Genau. "Wär hät’s erfunde?"

F wie Fluggesellschaft: Raider heisst jetzt Twix, Swissair heisst jetzt Swiss. Damals, am 2. Oktober 2001, hat die Swissair leider ihre Air verloren und musste am Boden bleiben. Dann hat man einen kanadischen Wunderproduktdesigner für viel Geld dazu gebracht, das Air im Namen auch noch offiziell zu streichen und seitdem schreibt die Swissair unter neuem Namen die alten roten Zahlen.

G wie Gotthard: Über den Gotthard fliegen die Brämen, die cheiben Brämen, sie sind schon dänen, per far l’amor. Der Gotthardtunnel ist lang und soll, wenn es nach dem Willen einiger Leute geht, auch mal breiter werden. Derzeit entsteht übrigens ein noch viel längerer Tunnel, aber der ist für die Eisenbahn. Wer des Schweizers Verhältnis zu Tunneln kennen will, der sollte Friedrich Dürrenmatts Kurzgeschichte "Der Tunnel" lesen. Wer etwas über die Schweizer Version von Bon Jovi wissen will, der gebe bei Google einfach nur Gotthard ein. Und denke dann bitte daran, dass Deutschland der Welt immerhin Pur, die Scorpions und das Schnappi-Lied beschert hat.

H wie Heidi: Ja, eigentlich sind wir Schweizer Frauen alle auf der Alp mit dem Alpöhi aufgewachsen und auf der Suche nach unserem Geissenpeter, der uns aus der grossen Stadt befreit und mit uns wieder in die Berge zieht, wo wir Klaras heilen und immer glücklich und froh sind. Wir können dieses Geheimnis nur verdammt gut verstecken.

I wie Insel: Ja, auch ein Binnenland kann eine sein. Zumindest wenn man sich so wie die Schweiz darauf beruft, dass man ja schon seit 1291 alleine klarkommt und alle ja nur unser Geld wollen und wir deswegen nirgends mitmachen. Eigentlich wissen wir ja schon, dass keiner das doofe reiche Kind wirklich mag, das nur zum Spielen eingeladen wird, weil es die tollsten Spielzeuge hat - aber wir können halt nicht anders. Die Schweiz sieht sich eben gerne als Sonderfall. Und wird deswegen von aussen oftmals als Störfall gesehen.

J wie Jodeln: Nein, nicht jeder Schweizer kann das. Und ein Jodelchor besteht nicht nur aus Jodlern, sondern auch als Hintergrundsängern. Die singen die Strophe mit und machen dann beim eigentlichen Jodel "Bomm". Wichtig dabei ist, dass sie die Hände in den Hosentaschen haben. Ich muss das wissen, mein Vater war mal Bomm-Macher in einem Jodelchor.

K wie Kantone: In Deutschland heissen sie Bundesländer. Bloss hat die Schweiz mehr Kantone als Deutschland Bundesländer hat, und halbe Bundesländer gibt es meines Wissens nicht, halbe Kantone schon. Basel-Land und Basel-Stadt zum Beispiel. Oder Appenzell-Innerrhoden und Appenzell-Ausserrhoden. Oder Nidwalden und Obwalden, die man zusammen nicht etwa Mittwalden, sondern Unterwalden nennt. Grundsätzlich gilt: Die französisch- und italienischsprachigen Kantone mögen die Deutschschweizer Kantone nicht, der Jura mag den Kanton Bern nicht, Bern mag Zürich nicht und den Aargau mag eigentlich keiner.

L wie Liechtenstein: Gehört nicht zur Schweiz. Die haben einen eigenen Fürst und alles. Wir haben ja nur sieben Bundesräte, das ist viel unglamouröser. Liechtensteiner werden gerne als Ehren-Schweizer gesehen, wenn sie irgendwo gut sind. Wenn zum Beispiel ein Liechtensteiner Skifahrer erfolgreich ist, dann ist das fast so, als ob die Schweizer gewonnen hätten. Einerseits weil die Liechtensteiner Skifahrer mit den Schweizern trainieren. Andererseits weil es derzeit die einzige Chance für die Schweizer Skination ist, ein bisschen feiern zu können.

M wie Matur: In Deutschland heisst das Abitur. Davon gibt es in der Schweiz verschiedenste Typen. Matura A zum Beispiel hat man, wenn man im Gymnasium Altgriechisch und Latein gelernt hat, Matura E, wenn man im Wirtschaftsgymnasium war. Ja, alles sehr kompliziert, aber das ist in Deutschland ja nicht anders, hab ich mir sagen lassen. Mancherorts in der Schweiz heisst das Gymnasium auch Kantonsschule. Matura stammt übrigens von "Maturitas", was auf Lateinisch so viel wie "Reife" heisst. Passt. Wir waren damals alle soooo reif. Echt jetzt. (Falls irgendein/e ehemalige/r Mitschüler/in das liest, kontaktiere mich unter Angabe einer Kontonummer. Wir können über alles reden.)

N wie Nationalhymne: Heisst in der Schweiz "Schweizer Psalm" und handelt davon, dass Gott der Herr im hehren Vaterland abwechslungsweise im Morgenrot, Abendglühn, Nebelflor oder wilden Sturm dahertritt, -kommt, - zieht oder -fährt und man ihn folglich im Strahlenmeer, Sternenheer oder Wolkenmeer sieht, sucht oder findet (im wilden Sturm ist er uns übrigens Hort und Wehr). Hauptsache, die freien Schweizer beten. Und hey, früher war es "Rufst du mein Vaterland", zur Melodie von "God save the Queen" gesungen. Da nehmen wir doch lieber das mit Gott in verschiedenen Witterungsbedingungen.

O wie Ogi: Legendärer Alt-Bundesrat, der das geflügelte Wort "Freude herrscht" geprägt hat. Heisst mit Vornamen leider Adolf, kann da aber ja nix dafür. Ogi hat etwas von Kaiser Franz Beckenbauer, bloss ohne dessen Erfolg: Die Olympiakandidatur für Sion 2006, welche Ogi präsidierte und lautstark propagierte, wurde vom damaligen IOC-Präsident Juan-Antonio Samaranch am 19. Juli 1999 mit dem einen Wort "Torino" zu Grabe getragen. Pföh. Mal gucken, ob die Italiener das besser machen. Die Schweiz hätte zumindest nicht mit dem Konkurs zu kämpfen gehabt.

P wie Parteien: Davon gibt es in der Schweiz vier grosse. Die SVP, die SP, die FDP und die CVP. Die SVP ist gegen das Ausland und für die Schweiz und sagt gerne was, ohne dabei zu denken. Die SP ist links und nett und sagt gerne was, ohne dann auch was zu tun. Die FDP glaubt an die Wirtschaft und die CVP an Gott. SVP-Wähler sind oftmals Stammtischhelden, SP-Wähler gerne mal Protestsongschreiber und an die FDP und die CVP glaubt keiner mehr. Als Kuriosum in der Schweizer Parteienlandschaft sei noch die Freiheitspartei erwähnt, die früher mal Autopartei hiess und genau so ist, wie das die Leserschaft jetzt vermutet.

R wie Rütlischwur: Einst trafen sich im Morgengrauen kurz vor dem Jahr 1300 irgendwann Anfang August der Stauffacher, der Tell und noch ein Knülch auf einer Wiese, waren sich einig, dass sie Brüder waren, schworen darauf und seitdem haben wir den Salat. Oder so ähnlich. Zumindest gibt uns diese Geschichte Anlass, ein wenig Krach zu machen, Feuer anzuzünden und Würste zu braten. Ja, der Schweizer Nationalfeiertag entspricht ungefähr dem sonntäglichen Grillen in Deutschland.

Q wie Quarktorte: Siehe Deutschland-ABC, nur umgekehrt. (Ja, auch ich bin nicht immer inspiriert)

S wie Sprachen: Es gibt in der Schweiz vier Landes-, aber nur drei Amtssprachen. Landessprachen sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Amtssprachen dito, minus Rätoromanisch. Rätoromanisch ist sowas wie Plattdeutsch, nur wird es nicht auf dem platten Land gesprochen, sondern in den hohen Bergen des Kantons Graubünden. Rätoromanisch klingt ungefähr so, als ob ein Deutschschweizer mit extrem starkem Akzent Italienisch sprechen und dabei gleichzeitig niesen würde. Wie eine typische "Wir wissen zwar auch nicht warum, aber wir wollen sie erhalten"-Sprache eben.

T wie Toblerone: Vermutlich die bekannteste Schweizer Schokolade, aber bei weitem nicht die leckerste. Empfohlen sei an dieser Stelle ganz ohne Eigeninteressen meinerseits (ich habe leider gar keine Beziehungen zu irgendwelchen Schokoladenherstellern) als Schokolade in Tafelform die Sorte Cailler Dessert, wahnsinnig süss, aber einfach nur unglaublich zartschmelzend und delikat und mmh... Cailler Dessert. Ist übrigens, wie ich gerade der Nestlé-Website entnommen habe, ohne Erdnüsse, Sesam, Sulfit, Senf, Sellerie, Fisch oder Krustentiere hergestellt. Hurra.

U wie Uriella: Weissgekleidete Sektenführerin mit Hang zum Badewannenwasserumrühren und Weltuntergangsprophezeiungen sowie einem Ehemann, der sich gerne als Tomate verkleidet und dann tanzt. Wohnt jetzt in Deutschland. Danke.

V wie Vignette: Ist sicher dem einen oder anderen Deutschen an der Grenze schon begegnet. Tjaha, wer schnell durch die Schweiz will, muss zahlen. In Italien oder Frankreich bezahlt man ja schliesslich auch Autobahngebühren - und da die meisten Deutschen ja eh nur auf der Durchreise sind und dem Schweizer Tourismus nichts bringen, soll ihnen diese Durchreise gefälligst auch etwas wert sein. Und überhaupt, so eine Vignette ist zwar kein ganz billiges Andenken, aber doch ein schöner Farbtupfer für die Windschutzscheibe.

W wie Wintersport: Wenn es schneit, sattelt der Schweizer die Ski oder das Snowboard und begibt sich in die Berge, wo er dann eine Stunde am Skilift wartet, fünf Minuten runterfährt und dann wieder eine Stunde am Skilift wartet. Das wiederholt er ad nauseam. Nein, ich konnte dem Wintersport noch nie etwas abgewinnen. Ausser wenn ich zuhause im warmen Wohnzimmer sitze und - mehr aus Gewohnheit denn aus wirklicher Überzeugung - mit den Schweizer Wintersportathleten mitfiebere. Denn wie schon mein damaliger Freund bei der Fussball-WM 94 sagte, als er das Spiel Schweiz-Spanien noch mal in der Wiederholung gucken wollte: "Vielleicht gewinnen sie ja diesmal."

X wie X’04, X05’, X’06 usw.: Messe für Marketing, Kommunikation und Event, die alljährlich in Zürich stattfindet. Dort wird unter anderem der Xaver Award verliehen. Ja, das ist total uninteressant. Aber ich wollte nicht den gleichen Trick wie unter Q anwenden.

Y wie Young Boys Bern: Nein, bei diesem Fussballklub spielen nicht nur junge Buben, genauso wenig wie bei den Old Boys Basel nur ältere Herren engagiert sind. Manchmal haben Fussballklubs halt unpassende Namen. Ich meine, wie viele Bayern spielen bei Bayern München, hm?

Z wie Zürich: Downtown Switzerland nennt sich die Stadt auch gerne. Meinetwegen. Bern ist trotzdem toller. Achja, und eins sei jetzt ein für allemal klargestellt: Die Einwohner von Zürich heissen Zürcher. NICHT Züricher.
25.1.06 17:39


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